Willkommen in der "magischen Phase"

Wie oft hast du dir schon vorgestellt, dass eine bestimmte Szene, die du schon hundert Mal in deinem Kopf durchgespielt hast - immer und immer wieder - real wird?
Wie oft hast du dich in einem Buch oder einem Film verloren, weil du den Protagonisten oder die Geschichte gut fandest und hast dem Happy End entgegen gefiebert, als würde es um deine eigene Zukunft gehen?

 

Dann bist du zwar mit einer blühenden Fantasie gesegnet, aber du weißt, dass es Wunschdenken ist und keine Realität.

Ein Kind in dem Alter zwischen 3-5 Jahren weiß dies allerdings nicht, denn es kann nicht bewusst unterscheiden und differenzieren.
Bei ihnen ist in dieser Phase einfach ALLES MÖGLICH!
Darum sollten wir sie beneiden und nicht verurteilen.

 

♥-lich Willkommen in der "magischen Phase" der kindlichen Entwicklung

die magische Phase in der Entwicklung bei Kindern, Entwicklungsphasen, Leben mit Kindern

"Der Donner kommt vom Donnerberg"

"Wenn es donnert, dann schimpft jemand."
"Ich war das nicht, das war xyz."

In der "magischen Phase" ist in der Vorstellungskraft des Kindes alles möglich, was es sich wünscht und denkt.
Schönes und Schlechtes kann in der Vorstellung des Kindes eintreten.

Hexen, Monster und Geister werden mit einem Schlag real.
Dinosaurier und Schlangen wohnen mit einem Mal unter dem Bett und die sonst so geliebte Katze wird zum fressenden Kinderschreck.

Magisches Denken bedeutet kurzum: Alles ist möglich!
Fantasie und Realität verbinden sich miteinander und für uns Eltern wird die Grenze schwer durchschaubar und nicht selten wird dem Kind hier "Du schwindelst doch." unterstellt.
Kinder empfinden diese Konstellation jedoch tatsächlich als Realität.
Sie glauben selbst daran, dass das was sie Denken und Wünschen tatsächlich so eintritt.

Diese Phase ist für Kinder extrem anstrengend und ich sehe an meinem Kind wie und wann er verarbeitet - nachts!
Schlafprobleme inklusive... .

Eine blühende Fantasie sollte nichts schlechtes sein

Wow wie schön, stell dir vor "Alles ist möglich!"
Hat früher der ein oder andere von uns nicht geträumt mit einem berühmten Rockstar befreundet zu sein, mit Karllson über die Dächer Schwedens zu fliegen oder einfach nieeeee mehr zur Schule zu müssen?
Träumt heute nicht noch min. jeder dritte von einem Lottogewinn?

 

"Eine ausgeprägte Fantasie hilft im späteren Leben bei der kreativen Bewältigung von Problemsituationen."

Das hat mein Mathelehrer immer gesagt und ich danke ihm für diese Offenbarung - in Kunst und Geschichte hat mich meine Fantasie dann allerdings verlassen. :-D

Manchmal denke ich, dass Fantasie genau das ist, was uns in der heutigen Zeit fehlt.

Etwas was uns dabei helfen könnte, die Welt ein wenig besser zu machen.
Darum sollten wir Kinder beneiden und nicht verurteilen.

Warum magisches Denken mit lügen nichts zu tun hat

Der kleine Weltentdecker glaubt mittlerweile an Hexen und Geister - Gute sowie Böse und oftmals müssen wir diese gemeinsam suchen gehen, um ihn ein sicheres Gefühl zu geben.
Wichtig ist mir hierbei dies nicht als "Schwachsinn" oder "gibt es doch gar nicht" abzutun, sondern ihm Glauben zu schenken!
In dieser Phase ist es real und mein Kind glaubt fest, dass es so ist.

Außerdem wer kann schon sagen, dass es etwas zu 100% nicht gibt, nur weil wir es nicht sehen können? ;-)

Sein derzeitiger Lieblingssatz auf die Frage was es im Kindergarten zum Mittag gab: "Mama es gab Nudeln."

Natürlich weiß ich, dass es nicht jeden Tag Nudeln geben kann, jedoch muss ich ihn damit nicht konfrontieren und ihm unterstellen, dass er mich anschwindeln würde.

Ich kann ja auch einfach selbst auf den Plan schauen, um festzustellen, dass es natürlich nicht jeden Tag Nudeln gab.

Aber die gab es bei ihm! - und das ist der entscheidende Punkt.

Ich bin fest davon überzeugt, dass er nicht versucht mir eine Lüge aufzutischen, denn dann würde ich annehmen und ihm unterstellen, dass er sich in mich hineinversetzen könnte, um etwas zu seinem Vorteil zu nutzen.

Auch wenn ich weiß, dass der Weltentdecker in seiner Entwicklung weit ist - so weit wie er eben bereits ist zu sein! - wäre dies doch ein rießiger Entwicklungsschritt in Richtung Empathie.


Kurzum: Er kann es einfach noch nicht unterscheiden, er glaubt selbst, dass es jeden Tag sein Lieblingsessen geben würde (vielleicht braucht er diese Fantasie bei dem Essen, welches auf dem Plan steht, aber auch?!).

Wenn Erwachsene bewusst Grenzen ziehen...

 

 

 

Stell dir vor du sitzt im Sandkasten und dein Kind backt dir einen Sandkuchen.
Würdest du ihn annehmen und genießen oder würdest du dein Kind anschimpfen und ihm sagen:

"Du lügst, dass ist kein echter Kuchen! Das ist Sand."

Das Beispiel ist extrem, ja - aber mein Lieblingsbeispiel!, denn es verdeutlicht sehr schön, dass wir Kinder sehr wohl durch die magische Phase begleiten können und aktiv daran teilnehmen können, ohne ihnen unterstellen zu müssen, dass sie bewusst lügen, manipulieren oder etwas tun, was ihnen einen Vorteil verschafft.
Schlichtweg, weil sie es entwicklungstechnisch noch überhaupt nicht tun können.

Warum dieser Beitrag auf meinen Blog musste

Dieser Beitrag ist ungewöhnlich lang und anders - off topic.
Aber er musste raus aus meinem System, da er zwei sehr aktuelle Themen enthält, die mich die letzte Zeit beschäftigen und einige andere wohl auch. ;-)

1. Mein Kind steckt mitten in der "magischen Phase".

Er wird vormittags durch den Kindergarten fremdbetreut und da immer wieder, wie einige andere aus der Gruppe auch, damit konfrontiert, dass er schwindeln würde.
Er muss nachts verarbeiten, was er vormittags nicht konnte!
Es ist extrem anstengend und nervenzerrend, aber ich werde einen Teufel tun und ihm meine Logik aufzwängen, um mich dann beim fünften Mal darüber zu ärgern, dass er sich dieser nicht annimmt.
Wenn das Kind bereit ist, wird es die Realität als solche wahrnehmen, so wie du und ich sie kennen.

 

2. Ich erlebe selbst immer wieder, wie es zu Missverständnissen in der Kommunikation kommt, weil Erwachsene Grenzen ziehen.

Beispiel:
Mein Kleiner sagt zu mir lachend "Mama, du bist eine kleine Hexe!"
Die Nachbarin ist entsetzt über diese Aussage und äußert ihren Unmut, auch darüber, dass ich mein Kind nicht sofort maßregel.

Was sie allerdings nicht gesehen hat, ist Folgendes:
Der Weltentdecker und ich spielen manchmal Hexenverfolgung.
Ich fliege mit dem Bessen und er als Feuerwehrmann oder Polizist versucht mich zu fangen.
Er liebt dieses Spiel und hat darin eine ungemeine Ausdauer entwickelt. :-D

Seine Aussage war also keineswegs eine Beleidigung an mich, wie es die Nachbarin aufgefasst hatte, sondern eine durchaus liebgemeinte Aussage, die nichts negatives beinhaltet hat.
Wir sind es selbst, die entscheiden, wie die Dinge im Raum stehen und in welche Richtung wir unsere Kinder mit unserem Denken drängen.
Wenn ich negativ denke und Schlechtes unterstelle und dies meinem Kind vermittel, wird er irgendwann auch anfangen negativ zu denken und das in seinem Tun weitergeben... . 


Der Kreislauf lässt sich mit ein wenig Magie und den Blick über den Tellerrand durchaus durchbrechen. ♥

Kommentar schreiben

Kommentare: 0